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Anna Maria, genannt Marie Pimpfinger

Persönliche Daten

Name: Pimpfinger
Vorname: Anna Maria, genannt Marie
Religion bei Geburt: katholisch
Geburtstag: 07.02.1861
Geburtsort: Simbach am Inn
Ausbildung
Beruf/Erwerb:

Putzmacherin
Schreibmaterialienhändlerin
seit 1889 Zahntechnikerin und Dentistin
Inhaberin eines Zahnateliers für Frauen und Kinder

Staatsangehörigkeit bei Geburt: Königreich Bayern

Anzeige von 1891
Münchner Neueste Nachrichten, 44. Jg., Nr. 153, S.4 vom 06.04.1891
Anzeige von 1920
Münchner Neueste Nachrichten, 73.Jg., Nr. 394, S.2 vom 23.09.1920

Familie

Vater Anton Pimpfinger Buchbindermeister 1830 Neuötting - 1909 München
Lebensdaten nach Angaben im Münchener PMB von Anton Pimpfinger
Mutter Maria Susanna Pimpfinger, geb. Maier oder Mayer Inhaberin eines Trödelladens in Simbach 1829 Simbach - 1911 München
Geburtsdaten nach den polizeilichen Meldeunterlagen von Ehemann Anton und Tochter Marie, Todesjahr nach dem Namensverzeichnis Sterbefälle des Standesamtes München III aus dem Jahr 1911.
Bruder Anton Pimpfinger 1857 Simbach am Inn - 1858 Simbach a. Inn
Lebensdaten nach dem Taufverzeichnis der Pfarre Simbach am Inn
Bruder Antonius, Rufname Anton Pimpfinger Malermeister, Dekorationsmalermeister 1859 Simbach - 1909 München
Lebensdaten nach dem PMB des Anton Pimpfinger. geb. 1859, vgl. Todesdatum aus dem Namensverzeichnis Sterbefälle des Standesamtes München IV aus dem Jahr 1909
Bruder Johann Baptist Pimpfinger Schauspieler 1863 Simbach - 1933 München
Johann Baptist wurde Hans gerufen, mit diesem Namen und der Berufsbezeichnung Schauspieler (Künstlername "Robert") wurde er erstmals im "Adressbuch für München von 1895" erwähnt. Er wohnte zunächst bei seinen Eltern. Das Todesjahr stammt aus dem "Namensverzeichnis Sterbefälle des Standesamtes München I" des Jahres 1933.
Bruder Jacob Pimpfinger Reisender, Buchbinder 1867 Simbach am Inn
Todesdatum unbekannt.

Familienstand

ledig

Mitgliedsjahre im Verein für Fraueninteressen
Diese Angaben stammen aus den alten „Mitglieder-Verzeichnissen“ (1896 bis 1916) des Vereins, bei den Personennamen wurde die jeweilige Original-Schreibweise – einschließlich der Tipp- und Lese- bzw. Hörfehler – übernommen. Fehlerhafte Adress-Angaben (z.B. Franz Josefstr. statt Franz Josephstr.) wurden korrigiert und der damals gültigen Schreibweise (im Adressbuch München) angepasst.

DetailsDetails 1896 bis 1908    
1896 bis 1898 Frl. Marie Pimpfinger Kaufingerstr. 21  
1899 bis 1901 Frl. Marie Pimpfinger Theatinerstr. 37  
1902 bis 1905 Frl. Marie Pimpfinger Rosenstr. 11 / II  
1906 bis 1908 Frl. Marie Pimpfinger Marienplatz 13 / II  

Erwähnung in Jahresberichten und andere Zitate

„Bekanntmachung. Einträge in die Firmen-Register des kgl. Handelsgerichts München I.
12. Die minderjährige Buchbinderstochter Maria Pimpfinger von Simbach am I. betreibt dahier unter der Firma Maria Pimpfinger
ein Modewaarengeschäft und hat deren Vater - Buchbinder Anton Pimpfinger von Simbach a. I.  zum Betriebe dieses Geschäfts seine Zustimmung erteilt."
(Süddeutsche Presse und Münchner Neueste Nachrichten vom 08.07.1877, S. 4)

„Bekanntmachung.
14. Marie Pimpfinger, Modistin in München, hat ihr unter der Firma Marie Pimpfinger in München l. d. I. betriebenes Geschäft aufgegeben.
(Bayerische Handelszeitung, 8. Jg. Beilage zu Nr. 29 v. 20.07.1878, S. 381)


Quellen und Literatur

Kirchenbuch Simbach am Inn, Taufen 1819 bis 1858, S. 414, Nr. 68; Matricula online: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/passau/simbach-am-inn/004_01/?pg=210 (abgerufen am 11.05.2.024) im Archiv des Bistums Passau.
Kirchenbuch Simbach am Inn, Taufen 1859 bis 1878, S.4, Nr. 23; Matricula online: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/passau/simbach-am-inn/005/?pg=4 (abgerufen am 11.05.2.024) im Archiv des Bistums Passau.
Kirchenbuch Simbach am Inn, Taufen 1859 bis 1878, S. 21, Nr. 8/29; Matricula online: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/passau/simbach-am-inn/005/?pg=21(abgerufen am 11.05.2.024) im Archiv des Bistums Passau.
Kirchenbuch Simbach am Inn, Taufen 1859 bis 1878, S. 49 Nr. 37/67; Matricula online: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/passau/simbach-am-inn/005/?pg=49 (abgerufen am 11.05.2.024) im Archiv des Bistums Passau.
Kirchenbuch Simbach am Inn, Taufen 1859 bis 1878, S. 87 Nr. 24/52; Matricula online: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/passau/simbach-am-inn/005/?pg=92 (abgerufen am 11.05.2.024) im Archiv des Bistums Passau.
Anzeige von Anton Pimpfinger, in: Donau-Zeitung, 19. Jg., Nr. 77 vom 19.03.1859, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb10502617?page=314%2C315,  zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Edictalladung, Pimpfinger Anton, Buchbindermeister in Simbach Universalconcurs betr., in: Landshuter Zeitung, 16. Jg., Nr. 48 vom 28.02.1864, S. 191, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb10505520_00193_u001?page=2%2C3, zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Bekanntmachung. Gant des Buchbindermeisters Anton Pimpfinger von Simbach am Inn betr., in: Donau-Zeitung, Beilage Nr. 22  v. 28.07.1865, online: https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10502629?page=108%2C109, zuletzt eingesehen am 11.05.2024
Anzeige Buchbinderei Anton Pimpfinger, in: Landshuter Zeitung, 26. Jg., Nr. 152, vom 05.07.1874, S. 764, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb11176926?page=24%2C25
Bekanntgabe Modewarengeschäft, in: Süddeutsche Presse und Münchner Neueste Nachrichten vom 08.07.1877, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb11350086_00397_u001?page=4%2C5, zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Bekanntmachung, in: Bayerische Handelszeitung, 8. Jg 1878, Beilage zu Nr. 29, S. 381, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb11362365?page=386%2C387, zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Warnung, in: Kurier aus Niederbayern. Tagblatt aus Landshut, 31. Jg., Nr. 140 vom 22.05.1878, S. 6, online: https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11364559?page=152%2C153, zuletzt eingesehen am 11.05.2024
StadtA München PMB Anton Pimpfinger, geb. 1830, angelegt 1885
StadtA München PMB Anton Pimpfinger, geb. 1859, angelegt 1876 und 1884
StadtA München: PMB Marie Pimpfinger, angelegt 1887 und 1919
Bekanntmachung Handelsregister bereffend, in: Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger, 38. Jg., Nr. 186 vom 05.07.1885, S. 4, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb00133946?page=44%2C4
Adressbuch für München 1889, III. Theil, S. 175 (Stichtag 1.11.1888)
Adressbuch für München 1890 ff.
Anzeige als Dentistin, in: Münchner Neueste Nachrichten, 44. Jg., Nr. 153, S.4 vom 06.04.1891, online https://digitale-sammlungen.de/view/bsb00134028_00085_u001?page=14%2C15, zuletzte eingesehen am 22.03.2024
Adressbuch für München 1894
Tätigkeitsberichte des Vereins für Fraueninteressen, Mitglieder-Verzeichnis 1896 bis 1908
Anzeige als Dentistin, in: Münchner Neueste Nachrichten, 65. Jg. vom 12.07.1912, S.6, online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb00131024?page=236%2C237, zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Anzeige als Dentistin, in: Münchner Neueste Nachrichten, 73. Jg., Nr. 394, S.2 vom 23.09.1920,  online: https://digitale-sammlungen.de/view/bsb00133259_00393_u001?page=2%2C3, zuletzt eingesehen am 22.03.2024
Jahrbuch für Dentistik verbunden mit dem Adressbuch der deutschen Dentisten, 1933-1934. Berlin 1933.


Anmerkungen

Marie Pimpfinger stammte aus Simbach am Inn, wo ihr Vater als Buchbindermeister und Geschäftsmann tätig war und seiner Familie wohl weder emotionale noch materielle Sicherheit bieten konnte (siehe unten). 1864 ging er in Konkurs und verlor Haus und Besitz. Schon früh bezog er die Kinder in seine prekären Geschäfte mit ein. So wurde Marie 1877 als gerade einmal 17jähriges Mädchen Eigentümerin eines „Modewaarengeschäftes“ in München, das allerdings bereits 1878 wieder geschlossen wurde. Im gleichen Jahr erklärte der in Landshut lebende Advokat Pimpfinger im Kurier aus Niederbayern, dass er nicht länger für die Schulden seines Bruders Anton Pimpfinger und dessen Familie aufkomme und beklagte das doppelte Unglück seines Bruders, nämlich „vermögens- und verstandeslos“ zu sein.
1885 eröffnete Marie, die mit ihren Eltern erneut nach München gezogen war, eine Schreibmaterialienhandlung, welche ebenfalls nur eine kurze Lebensdauer hatte und damit endete, dass Marie erneut München verließ.
1887 kehrte Marie Pimpfinger endgültig in die bayerische Landeshauptstadt zurück und baute sich nun eine eigene Existenz auf. Im Adressbuch von 1889 wird sie erstmals als Zahntechnikerin gelistet und ab 1891 finden sich in den Münchener Tageszeitungen immer wieder Anzeigen, in denen sie ihre Dienste als Zahntechnikerin und Dentistin anbot. Ab 1893 wird sie in den Adressbüchern als "Inhaberin eines Zahnateliers für Frauen und Kinder" geführt. Es war bis in die 1950er Jahre möglich, den Beruf des Dentisten, bzw. der Dentistin ohne akademische Ausbildung auszuüben, es reichten hierfür eine Fachausbildung und ein Praktikum. Wir wissen allerdings nicht, wo und bei wem Marie Pimpfinger die entsprechenden Ausbildungen gemacht und wer sie dabei finanziell unterstützt hatte. In diesem Berufsfeld hatte sie ihren Weg und ihr Auskommen schließlich gefunden, denn noch 1920 versprach sie ihren Patientinnen in einer Anzeige der Münchner Neuesten Nachrichten „gut passende Zähne". Atelier und Praxis betrieb sie zu dieser Zeit in der Briennerstr. 23, unweit der damaligen  Geschäftsstelle des Vereins für Fraueninteressen, dessen Mitglied sie damals schon nicht mehr war. Bis in die 1930er Jahre findet man ihren Namen im Jahrbuch für Dentistik verbunden mit dem Adressbuch der deutschen Dentisten.

Herkunft und Emanzipation

Wie sehr die Kindheit Maries und ihrer Brüder  vom beruflichen Mißerfolg des Vaters überschattet war, wird aus einer Bekanntmachung deutlich, die der Bruder des Vaters, ein Advokat aus Landshut, im Kurier aus Niederbayern veröffentlichte und die deshalb hier im vollen Wortlaut wiedergegeben werden soll:
"Warnung. In Geld-Erpressungs-Versuchen mir gegenüber kommt mein Bruder Anton Pimpfinger öfters hieher. Da ich nun früher drei Viertl-Jahre lang diesen Anton Pimpfinger mit seiner Familie dahier in meinem Hause hatte und alle Bedürfnisse derselben bestritt, so möchte bei Manchem die Meinung auftauchen, daß ich wieder so verfahren werde. Deshalb erkläre ich hiemit, daß ich für Anton Pimpfinger und dessen Familie (für welche ich, wie die k. Postbeamten in Burghausen, Traunstein, Simbach und Landshut sich erinnern werden, wie die Gantakten des k. Bezirks-Gerichts Pfarrkirchen und viele Postscheine und Unterschriften ausweisen, seit 20 Jahren theis (!) als Darlehen, theils als Unterstützung mehrere Tausend Gulden opferte) nichts mehr bezahle oder leiste. Mehr zu veröffentlichen verbietet mir die Rücksichtnahme auf das doppelte Unglück meines Bruders (er ist vermögens- und verstandeslos, wie die Bewohner Simbachs wohl wissen werden). Das Uebrige wickelt sich bei Gericht ab. Advokat Pimpfinger in Landshut."
Umso erstaunlicher ist der Werdegang Marie Pimpfingers, die sich aus den Abhängigkeiten vom Vater befreien und materielle Selbständigkeit durch einen handwerklichen Beruf erlangen konnte. Wie aus der Steuerliste ihres Vaters hervorgeht, war er auf finanzielle Zuwendungen Maries und ihrer Brüder angewiesen, so legt jedenfalls die empörte Bemerkung des Beamten: „Im Unterhalt seiner Kinder!" nahe. Wie der frühere Buchbindermeister dies seinen Kindern zu erklären wußte, geht aus dem Meldebogen hervor, den Marie 1919 selbst ausfüllte und in dem sie als Beruf des bereits 10 Jahre zuvor verstorbenen Vaters angab: "Privatier, früher Luftschiffbauer".


Letzte Änderung

geändert: 14.05.2024

Wir bitten um folgende Zitierweise:
Eintrag: „Marie Pimpfinger“/ID 134, Online-Datenbank „Pionierinnen* der Frauenbewegung in München. Die frühen Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau/des Vereins für Fraueninteressen in München“. Verein für Fraueninteressen e.V. München, www.geschichtsatelier-elvira.de
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